berlin calling
peter ruehle, thorsten ruehle, daniel m. thurau
p.p.s.
plank.pogmahon.syndicat
7, kirchengasse 15
Öffnungszeiten:
Di-Do. 11-18 Uhr
Fr. 10-19 Uhr
Sa. 10-16 Uhr
vernissage: 4.9.2008, 19-22 uhr
ausstellungsdauer: 5. – 25.9.2008
öffnungszeiten: di-do. 11-18 uhr, fr. 10-19 uhr, sa. 10-16 uhr
kuratiert: denise parizek
Peter Ruehle 
"Von Alphaville nach Zeroville"

Peter Ruehle zerlegt die von ihm aufgenommenen Bilder in Einzelteile, um sie wieder neu zusammen zu setzen, er treibt die Technik des Ausschneidens und wieder Einfügens, um damit das Ort-Zeit-Gefüge neu zu interpretieren, auf die Spitze.
Veränderte Blickwinkel von ungewohntem Ort finden sich in den Arbeiten aus der Serie ‚Alphaville‘ mit Ansichten bekannter deutscher Städte.
Greifswald, Mannheim/Ludwigshafen, Frankfurt am Main, Hamburg, Dresden, Berlin, Erfurt, Köln, Leipzig, München und Karlsruhe sind zunächst anhand bedeutender und Stadtbild prägender Gebäude vermeintlich schnell zu identifizieren.
In ‚Mannheim’ beispielsweise , ist die Silhouette des Funkturmes besonders charakteristisch, ähnlich wie in Ludwigshafens die riesigen Industriekomplexe im Hintergrund als solche zu erkennen sind. Mit anderen exklusiven Gebäuden eröffnet sich eine Wiedererkennbarkeit für den stadtkundigen Betrachter.
Begutachtet dieser die Stadt jedoch näher ist vieles anders:
unbekannte Gebäude sind hinzugekommen, Gewässerläufe haben sich verändert, Wälder befinden sich zentral in der Stadt.
Zwar handelt es sich noch um den vertrauten Anblick bekannter Gebäudeformationen, doch sind diese mit neuen Bauwerken bereichert: Häusern, Kirchen, Moscheen, Industrieanlagen usw.
Mannheim ist zwar immer noch als Mannheim zu erkennen, scheint aber atmosphärisch mehr einer amerikanischen, mit Hochhäusern durchsetzten Großstadt zu gleichen als sich selbst.
Auch die anderen Städte sind jeweils -wenn auch in unterschiedlicher Spezifik- analog fiktiv deformiert bzw erweitert:
Köln ist zu einer weiträumig überschwemmten Insellandschaft geworden, in Berlin wurde die Spree massiv umgeleitet, Leipzig hat sich zu einer Stadt der Brücken entwickelt, auf dem Hamburger Michel prangt der Halbmond, auf dem Dresdner Rathaus der Sowjetstern, unweit der Münchner Frauenkirche erhebt sich eine gewaltige Moschee.
Derart der Gegenwart entrissen und mit den Möglichkeiten der künftigen Entwicklung konfrontiert, wird der Betrachter seine eigenen Thesen zur auch ihn erwartenden Zukunft entwickeln:
am Vertrauten das Auge noch anlehnend, hat das Morgen schon eine seiner möglichen Gestalten angenommen. Unterstützt wird die sich so eröffnete Interaktion zwischen Bild und Betrachter durch den im Übrigen hohen Abstraktionsgehalt der Arbeiten.
Ein weißer und damit offener Himmel trifft auf eine reduzierte Landschaft, deren Schnittstelle die eigentliche Stadt bildet. Eine vor allem mit gezielt gesetzter Farbigkeit spezifizierte, nicht aber von vorn herein zweifelsfrei festgelegte und damit individuell wahrnehmbare Atmosphäre erleichtert oder behindert -je nach jeweiligem Geschmack- den Zugang.
Der wahrnehmende Betrachter wird mit jedem weiteren, längeren Blick immer mehr selbst zum Visionär und Teilhaber.
Nach der Serie "alphaville" beschäftigt sich die Serie "zeroville" mit Urbanität. Nunmehr liegt der Schwerpunkt aber nicht mehr auf möglichen zukünftigen Entwicklungen, sondern auf den -insbesondere kulturellen- Errungenschaften der Vergangenheit. Im Unterschied zur "alphaville"- Serie ist der visionäre Gestaltungsanteil des Malers an der jeweilig bearbeiteten Stadt deshalb geringer. Dieser umfaßt in erster Linie nicht mehr völlig neue Gebäude und Gebäudeformationen, sondern beschränkt sich weitestgehend auf gartenbauliche Veränderungen und neue Bauten und Installationen der Dokumentation: große und kleine Hinweis- und Erklärungsschilder stellen Einwohnern und Besuchern Material zur Auseinandersetzung mit der Vergangenheit bereit und bieten in erster Linie Möglichkeiten zur Bildung und Weiterbildung interessierter Betrachter anhand von Informationen in Bild und Schrift. Insofern handelt es sich um museale Stadtlandschaften.
Auch die Anzahl und Ausdehnung von Parks und Grünflächen ist angestiegen. Wiederum handelt es sich also nicht um mimetische Darstellungen der jeweiligen Stadt, diese ist vielmehr durchdrungen von lebenswerter (Hoch-) Kultur.
Nach Köln, Hamburg, Leipzig, Dresden, Berlin etc. der "alphaville"- Serie erfahren jetzt vor allem Welt- und Hauptstädte aller Kontinente eine Um- und Weitergestaltung.
Zum ursprünglichen Zugang mittels Formenvokabular und Farbigkeit die Stimmung der jeweiligen Stadt einzufangen,
sind nun auch internationale Urbanisationskerne und alte Kulturstätten erweiterter Gegenstand der Arbeit geworden.
Dabei handelt es sich um von Peter Ruehle selbst erfahrene und bereiste Städte, mit deren hochsteigener Atmosphäre sich der Maler -jedenfalls in ihren Grundzügen- bekannt machen konnte: Rom, Paris, Wien, Florenz und Venedig in Europa, Bangkok und Angkor in Asien usw..
Hauptaufgabe ist es hierbei, die verschiedenen Städte trotz ihrer sehr unterschiedlichen geographischen Lage, ihren spezifischen Kulturen und Religionen, ihrer jeweiligen, von Auseinandersetzungen und Bündnissen geprägten Geschichte, ihrem Klima und ihren Bewohnern im Bewußtsein zusammen- und auf ihre gemeinsamen Funktionsfundamente -und mglw. auch kollektivierenden Ziele- zurückzuführen.
Der Schwerpunkt liegt in diesem Zusammenhang in der Auseinandersetzung mit bestehenden und hinzugefügten Sakralbauten: Religiös motivierte Solitärarchitekturen vereinen sich auf eigens zu diesem Zwecke bereitgestellten Flächen und bilden nicht mehr länger vordergründig Orte der Identifikation durch Gruppenbildung und Distinktion, sondern durch Gemeinschaft: Kirchen, Moscheen, Synagogen und Tempel dienen der Definition des Menschen als Teil seiner als groß und menschlich begriffenen Kultur, worauf jeweils beschreibende, mit Hintergrund- und Zusammenhangswissen versehene, erklärende und jedenfalls sehr formschöne Schilder, welche sich gelegentlich neben unterstützenden Informationsgebäuden befinden, hinweisen.
"Zeroville" beschäftigt sich damit mit den Möglichkeiten positiver Wirkung von Vergangenheit, mit den Facetten des Lernens aus den gemachten Fehlern und letztlich der Genese von positiv verstandener Zivilisation.
Insofern können durchaus zu Aldous Huxleys später Schrift „eiland" -welche den Versuch unternimmt, zur früher beschriebenen „brave new world" so etwas wie eine Positivfolie zu entwickeln- Bezüge hergestellt werden. Allerdings mit dem entscheidenden Unterschied, daß diese freundliche Welt am Ende nicht zwingend doch noch menschlichen Unzulänglichkeiten zum Opfer fällt und untergeht.
Torsten Ruehle
„Denn nur wir Menschen hindern uns daran, im Paradies zu leben."

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Die Kompositionen von Torsten Ruehle wirken oft surreal, unwirklich, aber auch unvollendet.
„Meine Bilder sollen nicht vollständig ergründbar und fertig sein, sondern im Idealfall weiter wachsen - und nicht nach drei Jahren erschöpft vonder Wand klappen." erzählt Torsten Ruehle selbst.
Mit seinem Bruder Peter verbindet ihn die ungwöhnliche, völlig subjektive Sehweise, die eigene Wertigkeit des Vorhandenen dadurch ausdrücken, dass eine Art Subjektivzensur über das Gesehene gelegt wird.
Aus- und Einblenden nach persönlichem Gutdünken und Empfinden, die Welt so sehen, wie der Betrachter sie sehen will, nicht wie sie ist.
Die Kompositionen genieriert Torsten Ruehle aus Erinnerungen, Eindrücken, Stimmungen, die wie ein Abdruck auf der Seele und in der Erinnerung eingebrannt blieben. Doch wie sich Dinge und Menschen in Realita im Laufe der Zeit verändern, verschieben, bleiben sie in Gedanken als vergangener Eindruck erhalten.
Oftmals divergieren Erinnerungen und status quo. Die Bilder verändern sich mit dem Reziepienten, dadurch kommt manchmal Sentimentalität und Nostalgie hinzu.
All das vermittelt uns Torsten Ruehle durch verwaschene Farbgebung, Auslassungen und surreal überhöhten Abgrenzungen der einzelnen Gegenstände zueinander.
Stereochrom
Emil Otto Nardorff
Torsten Ruehle verändert die Welt. Bereits aufgeladene Filmstandbilder oder Fotografien klassischer Interieurs verdichtet er unter Umstellung, Abwandlung und Zugabe leicht surrealer Arrangements zu atmosphärischen Bildern.
So geben diverse Geräte, Regler und technische Apparatschaften der Szenerie Eingriffsmöglichkeiten: Schwimmbäder verändern Ausmaße, Temperatur, Wellengang oder Farbe; Wolken ziehen dimmbar an der Zimmerdecke oder Häuser beginnen zu schweben. Daneben fliegen Flaschen oder Eisbecher durch den Raum, winzige Kühe drapieren sich auf einer Teppichwiese und Karussellpferde oder Apfelsinen rollen umher.
Facetten des Lebens, Gesehenes, Fotografiertes oder aus der Uferlosigkeit der alltäglichen Bilderflut im Gedächtnis gestrandete Motive sind malerisch in die Wirklichkeit der Bildwelt collagiert. Die Gegenwart erscheint als eine Montage von modifizierten Wirklichkeiten vor Augen - manchmal mit dem Paradies darin und manchmal mit sagenhaften Abgründen.
Die Bilder entstehen aus einer eigentümlichen Technik: schwarze Linien setzen in massiver Statik grafisch die Form, welche durch meist nur lasierende Ölfarbe gebrochen oder ergänzt wird; der Rhythmus der Linien löst sich in der Melodie der Farben zur Stimmung. Diese wird dabei umso einnehmender, je länger man die Bilder betrachtet - ein seltenes Phänomen. Oft befinden sich mit Pigmentstift gezeichnete Details, Muster, Strahlen oder Pfeile in den Bildern, die sich erst aus der Nähe zu erkennen geben und diese so mit Leichtigkeit spannend halten.
Alles scheint meist ruhig und gesetzt, Stillleben gleich. Auch die seltenen Protagonisten im Bild wirken in sich gekehrt und wie abwesend. Die szenischen Bilder wirken vertraut und doch kann man sich dem gleichzeitig befremdlichen, das von ihnen ausgeht, kaum entziehen. Es liegt etwas in der Luft, als müsste jeden Moment etwas passieren, irgendetwas, dass die spannungsgeladene Stimmung auflöst. Und obwohl es in den Bildern keine klassische Handlung geben kann, entsteht eine Art Film - weil man irgendwann beim Ansehen die Zeit vergisst.
Daniela Maria Thurau
"Empfindungen geben, möglichst ohne der Langeweile ihrer Vermittlung"

Thurau thematisiert insbesondere menschliche Befindlichkeiten des alltäglichen Seins und überzeugt in seinen charakteristischen Darstellungen durch eine ausdrucksstarke Momentbeschreibung.
Auch seine Stilleben sind von diesem Drang zu ungestümer Malerei geprägt, welcher sich auch im grafischen Werk wiederfindet.
Als Mitglied der 1998 in Dresden gegründeten Künstlergruppe eiland war Thurau an deren großen Ausstellungen unter anderem in Hamburg, Leipzig, Trient, Florenz, Berlin und zuletzt in der Kunsthalle im art’otel Dresden beteiligt.
Wie Uwe Jens Gellner im Vorwort des Katalogs von Daniel Maria Thurau 2005 schrieb, ist er Akteur und Betroffener der Parallelwelten von heute, die Reality und Fiktion ununterscheidbar verpixeln.
Sein Malrausch, der in den neuen Arbeiten noch deutlicher sichtbar ist, seine Lust auf Farben und Formen, seine Leidenschaft sich der Malerei und nicht der These hinzugeben, aus sich zu schöpfen, zeichnet die Werke von Daniel Thurau aus.
„Kunst oder Klischee, die Frage wird den Rastlosen einholen. In diesem Moment ist ihm mit der Malerei die Flucht durch die Seitentür aus grauer Alltagsmentalität gelungen hinein in ein farbenfrohes, direktes, sorgloses und regelwidriges Leben der Fantasie." Uwe Jens Gellner
Nach Daniel M. Thuraus Auffassung kann
die Aufgabe des Malers in der Gegenwart nur noch darin liegen, dem
Betrachter eine "Empfindung zu geben und das möglichtst ohne die
Langeweile ihrer Vermittlung" (Francis Bacon, der hier Paul Valery
zitiert). Das heißt, die seiner Meinung nach heute zweckfreie Malerei
hat allein die Aufgabe, sich mit Form und Farbe auseinanderzusetzen
und zwar an dem was die Gegenwart am meisten und am unmittelbarsten
beschäftigt- das menschliche Individuum. Die Geschichten, die seine
Bilder trotzdem zu erzählen scheinen sind lediglich das Vehikel für
die zu gebende Empfindung und stellen im Grunde einen noch unreifen
status dar, den er noch zu überwinden gedenkt, momentan aber noch
nicht weiß wie. Seine Bilder sind derzeit voll mit Figuren und
Themen, weil unsere Komplexe Wirklichkeit für Ihn kaum anders faßbar
wird als in der Überfülle der Reize, die er wiederum zu wecken sucht,
um damit möglichst viele Empfindungsebenen aufzuschließen und mit
Seiensmöglichkeiten auszustatten.
PREVIEW
Peter Ruehle
Torsten Ruehle
Daniel Maria Thurau


Eine kurze Erklärung, entnommen der www.eiland.org Homepage:
"Eiland will allen, die das Pochen ihrer Empfindungen und Hoffnungen, ihrer Träume und Visionen, heftig in sich spüren und von dem Verlangen beseelt sind, sie zum Erglühen zu bringen, sie in etwas von Dauer zu verwandeln, Heimat und Fahne sein."
www.eiland.org
www.oraneo.de

